Evas Kolumne
Am Rande des Abgrunds II
Endlich Frühling: Spontan tausche ich Haube, Schal und Handschuhe gegen Arm-, Knie- und
Ellbogenschützer, packe die Inlineskates in den Kofferraum, düse zu einem Freund nach
Eisenstadt und freue mich auf ein paar flache Radwege. Ich muss nämlich zu meiner Schande
gestehen: Ich kann mit Skates unmöglich bremsen. Deswegen wickle ich mich meistens um Bäume,
Masten oder um meinen Begleiter.
Zu Beginn entsprach der Weg meinen Erwartungen. Ich musste nur kleine Hügel überwinden,
hatte immer genug Auslauf und auch die Straßenkreuzungen waren harmlos. Später jedoch stellte
sich überraschenderweise heraus: Das Burgenland ist doch nicht so flach! Vor mir ging es cirka
30 Meter steil bergab. Das wäre noch okay gewesen, hätte sich der Weg dahinter eben fortgesetzt.
Doch zu meinem Entsetzen kreuzte er sich am Ende mit einer vielbefahrenen Straße. Meine Reaktion:
Panik!
Risikofreudig? Bin ich nicht. Ich teilte also meinem Freund mit, dass ich jetzt meine Skates
ausziehen und zu Fuß gehen würde. Mutig? Ist er. Und befahl mir sodann: "Du ziehst die Skates
sicher nicht aus! Halt dich einfach an mir an, wir bremsen gemeinsam, dann haut das schon hin.
Sonst dauert das ja eine Ewigkeit." Ungläubig heftete ich mich an seine Fersen und wir begannen
langsam den Abhang hinunterzurollen bzw. zu schleifen - bis ich ins Straucheln kam. Plötzlich
wurden meine Beine schneller als der Rest meines Körpers, ich rollte mit den Füßen zwischen
den Beinen meines Vordermannes durch, plumpste auf den Hintern und riss meinen Helfer/Tyrannen
dabei auch gleich zu Boden. Er hat wirklich Recht behalten - es hat tatsächlich hingehaut - und zwar UNS!
Also zog ich nach diesen drei todesmutig überwundenen Metern dann doch meine Inlineskates aus,
tapste auf Socken hinunter und zog die Inliner wieder an. Letztendlich hat dieses Prozedere viel
länger gedauert, als wenn ich gleich zu Beginn Skates gegen Socken getauscht hätte. Ohne Helfer
ist man/frau manchmal halt doch besser dran als mit.
Evas Kolumne