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Evas Kolumne

Ich glaub', ich spinne

Wovor haben Sie Angst? Vor Erdnussbutter, die am Gaumen kleben bleibt (Arachibutyrophobie)? Vor Büchern (Bibliophobie)? Vor Clowns (Coulrophobie)? Oder gar vor Knöpfen (Koumpounophobie)? Wenn Sie beim Gedanken an Ihre Stiefmutter in Panik ausbrechen, haben Sie wahrscheinlich eine Novercaphobie. Wer fürchtet, dass ihm der Himmel auf den Kopf fallen könnte, leidet eventuell unter Uranophobie. Vor Computern haben Sie anscheinend keine Angst (Cyberphobie), sonst könnten Sie diese Kolumne ja nicht lesen.

Kurz gesagt: Es gibt nichts, wovor man sich nicht fürchten könnte. Meine Angst ist leider ziemlich gewöhnlich. Ich fürchte mich vor Spinnen (Arachnophobie). 8-beinige Tierchen, die an der Wand ihr Netz spinnen, machen mir relativ wenig aus. In so einem Fall schnappe ich einfach den Staubsauger, wobei ich an der Wirksamkeit der Methode zweifle. Angeblich ist es für Spinnen ja ein Leichtes, da wieder herauszukrabbeln. Manchmal gehe ich auf Nummer sicher und schlage beinhart zu - obwohl das mein Tierschützerherz schmerzt - und spüle die Leiche die Toilette hinunter. Mit Glas und Papier einfangen und draußen freilassen - die freundlichste Methode - geht gar nicht. Da müsste ich mich mit dem Tierchen zu eingehend beschäftigen und außerdem darauf achten, weiter weg zu gehen. Laut meinem schlauen Buch, das quasi ein Überlebenstrainer für Frauen ist ("Eine Frau. Ein Buch." - wärmstens zu empfehlen!), finden Spinnen nämlich bis zu einer Entfernung von 30 Meter wieder zurück.

Bei welchen Spinnen breche ich denn jetzt wirklich in Panik aus? Reisen Sie mit mir ein Jahr in die Vergangenheit. Da am Wochenende so schönes Wetter war, wurde draußen fleißig gegrillt. Satt und zufrieden kam ich später in meiner Wohnung an und setzte mich sogleich an den PC, um die Fotos des netten Abends online zu stellen. Nach einer Weile kitzelte mich etwas am Rücken. In der Annahme, das wäre nur ein Haar, strich ich kurz mit meiner rechten Hand über meine linke Schulter. Das Kitzeln hörte auf - nur um kurz darauf wieder zu kitzeln. Etwas genervt drehte ich meinen Kopf nach links und blickte auf meine Schulter: AAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH! Eine riesige Spinne! Mindestens fünf Zentimeter breit, lang und hoch!

Nach einem ca. 5-minütigen Schreikrampf sammelte ich meinen über Bord geworfenen Mut wieder vom Boden auf und griff mit der Hand nach hinten, um die Spinne runterzuschnippen... Denkste. Die Spinne kraxelte genau zu der Stelle an meinem Rücken, wo ich weder mit der linken, noch mit der rechten Hand hinkam. Da ich mich nicht unbedingt auf den Rücken werfen wollte, um die Spinne zu zerquetschen, lief ich aus der Wohnung hinaus auf den Gang, um dort eine Weile herumzuschreien. Den Nachbarn war das genauso egal wie der Spinne.

Auf meinem Weg zurück in die Wohnung hüpfte die Spinne dann aber doch von alleine hinunter. Vielleicht wurde sie aber auch vom Angstschweiß heruntergewaschen. Mein Problem war deshalb aber noch lange nicht gelöst: Große Spinne + Wohnung = weiterhin Panik. So rief ich einen Freund, der ganz in der Nähe wohnte, an und bestellte ihn zu mir. Er machte dem bösen Tier endgültig den Garaus - mit einem Schlapfen.

Noch Wochen danach hatte ich Angst vor Dingen, die mich am Rücken kitzelten (den Fachausdruck dafür gibt es anscheinend noch nicht). Irgendwann lenkte mich dann die Spheksophobie von meiner Rücken-kitzel-Angst ab. Wer keine Probleme hat, macht sich eben welche.

Evas Kolumne


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